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Walter Röhrl wird
am 7. März 70 Jahre jung!

Helmut Zwickl erinnert sich als sein Co-Pilot bei der Mille Miglia.

Für mich ist er der Ayrton Senna der Rallye-Szene. Eine charismatische Lichtgestalt, die uns seit Jahrzehnten in den Grenzbereich mitnimmt. Für seine Bewunderer ist er ein Gott. Aber genau das will er nicht hören.  
Als ich bei der Mille  Miglia drei Tage lang Schulter an Schulter mit ihm in einem Porsche 550 Spyder saß, wurde mir bewusst: das ist der perfekteste Autofahrer, den man sich vorstellen kann.
Kein unüberlegtes Manöver, keine Fehlschaltung, kein Verbremser, in den zahlreichen Regenschauern zeigte er eine phänomenale Verbrüderung mit der Rutschgrenze. Auf dem Weg nach Rom tauchten wir in Nebelfetzen ein, der Blindflug bei einsetzender Dunkelheit am Ende eines langen Tages war nicht lustig.  Aber Walter rollte das Feld auf, er hat den Orientierungssinn einer Fledermaus, er hat gewissermaßen Radaraugen und sieht überall durch. Und  müde wird er auch nicht. Sein Konzentrationsvermögen ist übernatürlich wie sein Ehrgeiz. Egal ob beim Autofahren, Golfen oder Radrennfahren, als Extremist will er überall gewinnen.  Er hat die Kondition eines Zehnkämpfers, die
er seit Jahrzehnten auf hohem Niveau hält.
Bei einer Mille Miglia Bergprüfung mogelte sich ein neuer Porsche Turbo mit Deutschem Kennzeichen vor uns in die Startreihenfolge und schoss mit einem Katapultstart die Serpentinen hinauf. Walter setzte seinen Raubvogelblick auf und sagte:
„Schnall dich fest an...“  Das hat er früher auch zu Christian Geistdörfer gesagt, wenn man es besonders eilig hatte.
Ich wusste: jetzt gibt’s eine Galavorstellung im Grenzbereich !
Nach wenigen Kilometern hatten wir den Turbo-Porsche, der gewiss nicht langsam war, mit dem alten Spyder eingeholt. Walter stellte den Spyder vor einer  120 km/h Linkskurve so an, dass er auf der Innenbahn im Drift den Turbo-Porsche überholte, vor der folgenden Rechtskurve aber sofort wieder auf der sicheren Fahrbahnhälfte war, denn diese Kurve war nicht einsehbar. Nachdem wir durchs Ziel schossen, hielten wir an, nahmen die Helme ab, und mit Verspätung bremste sich auch der Turbo-Porsche neben uns ein. Die Insassen sahen völlig entgeistert und selbstmordgefährdet zu uns rüber. „Dat is ja der Röhrl...“ schrien sie.
Damit war die Welt für sie wieder lebenswert geworden, und sie brauchten ihren Führerschein nicht zu zerreißen...
Rallye-Weltmeister wurde er 1980 auf Fiat 131 Abarth und 1982 auf Opel Ascona. 1983 war er Lancia-Werkspilot, 1984 begann seine Audi Quattro-Zeit. Er hatte, was unerreicht blieb, die Rallye Monte Carlo auf vier verschiedenen Autos gewonnen.
Walter war immer ein kritischer Querdenker. Seine größten Leistungen entstanden, weil er permanent sein Können hinterfragte und „anzweifelte“. Er sagt ja selbst: „Auch in meinen Audi-Jahren kam immer mal wieder der alte Argwohn, der alte Verfolgungswahn bei mir auf...“ Im Quattro musste er lernen «Linksbremsen».
Das «wahnsinnigste Auto war der Audi Sport Quattro S1», hörte man von ihm. 530 PS, PDK-Sechsganggetriebe, in 10 Sekunden von Null auf 200. Sein Geständnis über dieses Auto ist Motorsportgeschichte pur: „Ich brauchte all mein Können, allen Mut und allen Wahnsinn, um den S1 schnell zu fahren. Der S1 war der Ritt auf der Gewehrkugel. Aus der Angst wurde Euphorie, das Teufelsding zu beherrschen.“
Seit Jahren ist er als Galionsfigur und Testpilot eng mit Porsche verbunden, er definiert
jenes optimale Fahrverhalten für die Stuttgarter High Tech Sportwagen, das keine Computer-Simulation zustande bringen würde.
Als Sieger der allerersten Ennstal-Classic im Jahre 1993 – übrigens auf seinem privaten Austin Healey – und dann 1997 auf Porsche, legte er den Grundstein für unser „Autofahren im letzten Paradies“.
Walter Röhrl wird auch heuer bei der 25. Ennstal-Classic mit einem  Wagen des Porsche Museum am Start stehen.
Wir verdanken ihm sehr viel: Happy Birthday lieber Walter!

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