Offizielle Fotoseite der Ennstal-Classic:  (© Ennstal Classic)
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Eine Ikone auf zwei und vier Rädern:

John Surtees 83, starb vergangenen Freitag in London

John Surtees gelang etwas Einmaliges. Er ist der einzige Mensch, der es schaffte, auf zwei und vier Rädern Weltmeister zu werden. Zwischen 1956 und 1960 gewann der Brite (Jahrgang 1934) in der 350-und 500-ccm Klasse nicht weniger als sieben WM-Titel, 1964 wurde er auf Ferrari Automobilweltmeister.
1951 feierte er im Alter von 17 Jahren sein Renndebüt bei einem Grasbahnrennen in Luton. 1953 gewann er 27 Motorradrennen bei 40 Starts, und 1954 waren es bei 55 Starts bereits 40 Siege. 1955 saß er im Sattel einer Werks-Norton. Er schlug den Größten von damals, Geoff Duke. Aus 75 Starts holte er 68 Siege heraus. Die sieben WM-Titel gewann er alle auf MV Agusta. Surtees fuhr 1960 auf MV in der 350-und 500-ccm Klasse seinem sechsten und siebenten WM-Titel entgegen, aber zwischendurch saß er bereits in einem Werks-Lotus. Im  März 1960 fuhr Jim Clark seinen ersten Lotus-Werkseinsatz, ein Formel Junior-Rennen in Goodwood, und mit ihm vom Start ging auch Surtees, der einen Cooper lenkte. 1963 wurde Clark Automobil-Weltmeister, ein Jahr früher als der Motorradrennfahrer Surtees, der jedoch im Rennwagen heimisch wurde «wie eine Ente im Wasser» wie ihm Jim Clark bescheinigte.
1961 fuhr Surtees für das Yeoman-Credit-Team einen Cooper, 1962 einen Lola, 1963 holte ihn Ferrari.
„Wir hatten dort unsere Höhen und Tiefen, doch insgesamt verbrachte ich bei Ferrari vergnügliche Jahre. Ich hatte einige ganz gute, einige durchschnittliche und ein paar ganz schlechte Autos“, bilanzierte er über seine Ferrari-Zeit, die Mitte 1966 abrupt mit Krach endete. Er ging sofort zu Cooper wo er auf das neue Super-Talent Jochen Rindt traf. Surtees siegte in Mexico. 1967 und 1968 fuhr er für Honda. 1967 siegte er in Monza. 1969 war er bei BRM, die Saison war eine einzige Katastrophe. Als Ergebnis begann er nun selbst Rennwagen zu bauen. Sein Opus 1 debütierte 1970 im Britischen Grand Prix von Brands Hatch. Mit Formel 2 Siegen in Fuji (Japan) und Imola beendete er 1972 seine Karriere, um sich fortan ganz seinen Eigenbau-Rennern zu widmen.
John Surtees war ein kompliziertes Wesen, ein Mann mit Prinzipien und vielen Gesichtern, der polarisierte. Er forderte zur Kritik heraus, er war ein Fanatiker. Sein technisches Wissen war außergewöhnlich.
Bei der Ennstal-Classic durfte er einst den berühmten Mercedes-Benz 300SLR über die gesamte Strecke pilotieren: man stelle sich vor, das Siegerauto der Mille Miglia 1955 von Stirling Moss, der sagenhafte 722er,  am Sölkpass! Das war nur einem leidenschaftlichen Racer wie „Big John“ zuzutrauen.
Sein Leben war ein Leben zwischen Sternstunden und Katastrophen. 1974 verunglückte Österreichs Helmut Koinigg in einem Surtees in Watkins Glen tödlich. 2009 kam sein Sohn  Henry (18) bei einem Formel 2-Rennen in Brands Hatch ums Leben: von einem Konkurrenten löste sich bei einem Crash das Hinterrad das den nachfolgenden Henry Surtees am Sturzhelm traf.
Am Freitag den 10. März starb John auf der Intensivstation des Londoner  St. Georges Hospital, in das man ihn ein Monat vorher mit akuter Atemnot eingeliefert hatte.
An seiner Seite waren seine Frau Jane, sowie die beiden Töchter Leonara und Edwina.
Im Geschichtsbuch des Motorsports wird John Surtees auf ewig ein Platz auf der ersten Seite zustehen.

2017 John Surtees (© Ennstal-Classic)