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Röhrl: „Boxenstopps in der WRC? Idiotisch!“

Walter Röhrl hält wenig von den Erfindungen der „Traumtänzer“ – der zweifache Rallye-Champion war Stargast der Ennstal-Classic-Pressekonferenz…

Michael Noir Trawniczek

Bei der Pressekonferenz zur bevorstehenden Ennstal-Classic (9.bis 12. Juli) auf der Bühne das Wort „Gleichgültigkeitsrallye“ aussprechen – das darf wohl nur ein Walter Röhrl. Zum einen wissen alle Beteiligten, dass der Rallye-Weltmeister der Jahre 1980 und 1982 keine böse Absicht hegt - zum anderen spürt man auch, dass er es abgrundtief ehrlich meint. Ein Walter Röhrl wurde wohl zum Schnellfahren geboren – dennoch wird der „perfekteste Autofahrer der Welt“ (Zitat Helmut Zwickl) im Rahmen der Ennstal-Classic an der Racecar Trophy teilnehmen. Im Rahmen der Pressekonferenz nahm sich der 67-Jährige Zeit für ein kurzes Interview.

Walter, was hältst du von der Idee, in der Rallye-Weltmeisterschaft Boxenstopps einzuführen?

Das habe ich schon lange hinter mir. Im Jahr 1983 haben wir so etwas auf einer Sonderprüfung durchgeführt. Wir sind die ersten 20 Kilometer auf Slicks gefahren, haben jedoch für die restlichen sechs Kilometer Spikes aufgezogen. Obwohl wir pro Rad fünf Schrauben drehen mussten, haben wir für den Radwechsel nur 42 Sekunden gebraucht. Denn wir haben ein Gerät entwickelt, das alle fünf Schrauben auf einmal drehen konnte. So haben wir trotz Boxenstopp die Bestzeit fahren können.

Die Frage ist nur: Sind das die richtigen Gedanken zur Verbesserung der Rallye-WM, jetzt Boxenstopps einzuführen?

Nein, das ist einfach nur idiotisch. Dem Rallyesport wird alles genommen, was ihn eigentlich ausmacht, die Fahrer werden immer unwichtiger. Früher hat der Fahrer gewonnen, der am längsten Vollgas gegeben hat.

Man hat das Gefühl, die WRC-Macher würden nach dem Prinzip denken: Die Formel 1 ist erfolgreich, wir wollen auch erfolgreich sein – was hat die Formel 1, was wir nicht haben? Sie hat Boxenstopps, das machen wir auch…

Ja, genau – ich finde das einfach nur abartig. Unser Stopp damals im Jahr 1983 ist aus einer Not heraus geschehen, doch dass man jetzt ernsthaft über die Einführung von Boxenstopps auf einer Rallye-Sonderprüfung überhaupt nur nachdenkt, ist einfach lachhaft. Abgesehen von den hohen Kosten, die dabei entstehen würden – wie soll so etwas denn ablaufen? Wo ist denn der Platz dafür, dass alle Teams Reifen wechseln? Stell dir nur vor, welche Gefahr hier lauert, wenn in der Hektik die Reifen gewechselt werden. Fehlt nur noch, dass sie irgendwann Tankstopps einführen…

Weltmeister Sebastien Ogier hat sich unlängst über die schlechte Vermarktung der WRC beklagt, die TV-Bilder seien mangelhaft und verbesserungswürdig…

Das kann ich nicht beurteilen, denn ich habe bislang nichts davon im Fernsehen gesehen, da ich gewöhnlich vor Mitternacht schlafen gehe.

Du startest heuer bei der Racecar Trophy im Rahmen der Ennstal-Classic – der historische Motorsport erlebt derzeit einen Boom…

Ja, man hat das Gefühl, an jedem Wochenende finden drei Oldtimer-Veranstaltungen statt. Die Leute wollen lieber die alten Boliden sehen und nicht etwas, das von Traumtänzern entwickelt wird. Man muss bei den historischen Events nur aufpassen, dass nicht zu viel aufgerüstet wird, denn das lässt die Kosten in die Höhe steigen. Wenn ich daran denke, dass man damals die Gruppe B-Autos verboten hat – und heute kann jeder Privatmann mit einem solchen Gruppe B-Monster fahren…

In einem motorline.cc-Interview wurde Sebastien Ogier gefragt, wie sein optimales Rallyeauto aussehen würde. Er sagte, er würde einige PS mehr, eine aggressivere Optik und mehr Sound begrüßen.

Ursprünglich gab es ja den Sportwagen – ein Wagen also, mit dem man Motorsport betreibt, und der auch so aussah und auch so geklungen hat. Dann jedoch kamen die Hersteller und das Marketing – und die Auffassung, dass man sich an den Serienautos zu orientieren habe. Ich finde es auch beeindruckend, wie schnell die heutigen World Rally Cars um die Ecken fahren, aber ab dem fünften Gang ist das eine Schlaftablette.

Ogier fuhr in Spielberg als Gastpilot im Porsche Supercup – und tat sich relativ schwer…

Beim Porsche Supercup darfst du auf den normalen Rennstrecken nicht mitfahren, denn da fahren dir die angestammten Piloten um die Ohren. Aber in Monaco, auf einem Stadtkurs mit Mauern als Begrenzung, da kannst du als Rallyepilot sehr gut mithalten. Als ich 1993 im Porsche Supercup in Monaco fuhr, musste ich Mika Häkkinen gewinnen lassen, man hat mich darum gebeten – es hat mir nichts ausgemacht, ich habe zu ihm im Training gesagt, er soll einfach hinter mir herfahren und meine Linie studieren, dann hat er das Rennen gewonnen, ich wurde Zweiter.

Zurück in die Gegenwart: Bei der Racecar Trophy im Rahmen der Ennstal-Classic wirst du einen Porsche 718 pilotieren…

Ja, das ist ein ganz tolles Auto, acht Zylinder, zwei Liter – darauf freue ich mich schon sehr. Ich freue mich einfach nur darauf, mit diesem Auto fahren zu dürfen.

Walter Röhrl: Warm Up 2014 (© GEPA pictures/ Philipp Brem)