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Aus der Nennliste: Ein MB 300SL Roadster

Mag. Peter Bertalanffy mit Dr. Gertrud Humily starten mit einem Mercedes-Benz 300SL Roadster, Baujahr 1957, bei der Ennstal-Classic. Der Mercedes 300SL hat seine Gene aus dem Rennsport.

Jaguar gewann 1951 mit dem XK-120, den man zu einer Competition-Version umstrickte, in Le Mans. Mercedes kopierte das Kochrezept: Man nehme die 300er Serien-Limousine, rühre von ihr Motor, Getriebe, Antrieb, Lenkung, Vorder- und Hinterachse in einen superleichten Rohrrahmen des genialen Rudolf Uhlenhaut und überbacke das Ganze mit einer Alu-Haut. Keine herkömmlichen Türen sollten die Steifigkeit des Uhlenhautschen Rahmen-Knoten in den Cockpit-Seitenflanken verringern, daher kam es zu der spektakulären Flügeltüren-Lösung.
Mit 870 kg, 171 Vergaser-PS bei 5200 U/min. ergab sich ein Leistunggewicht von 5.08 kg/PS. Keine Sensation zur damaligen Konkurrenz, die aus stärkeren Ferrari 340, 225S, 250S, Jaguar XK-C, Gordini, Talbot 4.5, Aston Martin und Cunningham bestand. Tatsache ist: das Auto war aber überhaupt nur durch den Griff in den Serien-Baukasten zu realisieren. Trotzdem gab es Aufsehen erregende Erfolge im Jahre 1952:  Platz zwei in der Mille Miglia, Doppelsieg in Le Mans, Sieg in der berüchtigten Carrera Panamericana von Mexico – die Silberstern-Renner signalisierten in der Welt den Aufbruch ins Deutsche Wirtschaftswunder.
Max Hoffman wurde dann die treibende Kraft für den Serienbau eines 300SL Flügeltürer, der 1954 auf der New Yorker Motor Show vorgestellt wurde.
Das war ein Meilenstein im Automobilbau, das Styling aus der Feder von Karl Wilfert ist von einer Schönheit geprägt, die nach fast sechs Jahrzehnten nichts von ihrer Erotik eingebüßt hat.  
Der 3-Liter Sechszylinder Reihenmotor mit einer obenliegenden Nockenwelle war der erste Einspritzmotor der Großserie, mit 215 PS bei 5.800 U/min. ergab sich für den vollgetankt 1300 kg wiegenden 300SL ein Leistungsgewicht von 6 kg pro PS. Die Fahrleistungen waren konkurrenzlos, nur Ferrari sorgte mit seinem Konzept – hänge vier Räder an einen 12-Zylinder -  für noch schnellere Sportwagen.
Als der 300SL im Jahre 1954 für 29.000 Mark  käuflich wurde, fassten die Kunden um 20% mehr Leistung aus, als die Werkspiloten der früheren Renn-Prototypen.
17.7 Sekunden von 0 auf 160 km/h , zu einer Zeit wo der Opel Olympia Rekord 30 Sekunden auf 100 brauchte, waren eine käufliche Revolution. Je nach Übersetzung wurde eine Spitze von 208 bis 260 km/h erreicht.
Die ersten Flügeltürer wurden 1954 in Europa verkauft, im März 1955 gingen die ersten Wagen in die USA. Insgesamt 1400 Flügeltürer wurden gebaut, der größte Teil, etwa 1100 Exemplare, gelangten in die USA. 29 Fahrzeuge wurden mit einer Voll-Aluminium Karosse ausgeliefert.
Der 300SL wurde das Prestige-Auto der 50er Jahre. Die Liste der Kundschaft ist das Who-is-who des Reichtums: Stavros Niarchos, Porfirio Rubiroso, Herbert von Karajan,  Henri Nannen, Sophie Loren, Gina Lollobrigida, Romy Schneider, Curd Jürgens, Gunter Sachs,  Horst Buchholz und Juan Manuel Fangio stehen drinnen. Auch die Hollywood-Promis stiegen von ihren Thunderbirds, Corvetten und Cadillacs auf Mercedes um: Tony Curtis, Clark Gable, Glenn Ford, Zsa Zsa Gabor.
Wieder meldete Max Hoffman seine Forderungen in Stuttgart an: für die Sonnenstaaten Kalifornien und Florida müsste ein Roadster her, denn immer mehr potentielle Kunden verlangten nicht nur Frischluft, sondern mehr Komfort und einen etwas zivileren Motor.
Ab 1957 kam der 300SL Roadster auf den Markt, der den Flügeltürer zwar ablöste, aber er konnte ihn nicht vergessen machen. Das Coupe war so faszinierend, dass man ihm eine ganz spezielle Unart verzieh. Im Flügeltür-Coupe hatte man die Grenzen rennsportweit hinausgeschoben, doch für den normalen SL-Kunden war das plötzliche Wegwischen des Hecks etwas zu schreckhaft: wenn das Einknick-Signal der Pendel-Schwingachse überfahren wird und wem das Spiel des Mitlenkens mit dem Gaspedal nicht geläufig ist, drehte sich schneller als er ahnte.
Im Roadster wurde das abgestellt.
Ist die Vorderachse identisch mit dem Coupe, so kam hinten eine neue Eingelenk-Pendelachse mit zwei Schraubenfedern und einer dritten Ausgleichs-Schraubenfeder zum Einbau. Das Heck wurde friedlich. Auch der Rahmen wurde geändert und speziell verstärkt, das Leergewicht legte um 100 kg zu, die Sportnockenwelle aus dem Coupe wurde serienmäßig, der Tankinhalt von 130 auf 100 Liter verkleinert. Ab dem Frühjahr 1961 kamen Dunlop-Scheibenbremsen  an allen vier Rädern zum Einsatz.

300SL_Bertalanffy