Offizielle Fotoseite der Ennstal-Classic:  (© Ennstal Classic)
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Derek Bell: „Ich genieße hier einfach alles“

Der fünffache Le Mans-Sieger im Interview über das Fahren mit Oldtimern, die aktuelle Situation in Le Mans und Elektro-Renner.

Michael Hintermayer & Fabian Bonora
Fotos: Ennstal-Classic/Peter Meierhofer & Martin Huber


Sie waren einer der schnellsten Fahrer in der Geschichte des Motorsports. Ein Auto schnell zu bewegen ist Ihr Metier. Was halten sie von der „Entschleunigung“ bei der Ennstal-Classic?

„Das ist für mich total fremd. Die Ennstal-Classic ist der einzige Event in diesem Stil, welches ich überhaupt fahre. Der Grund dafür ist einfach: Weil es so wunderschön ist hier in der Steiermark. Die Landschaft ist einfach umwerfend. Ich genieße hier einfach alles! Angefangen von den Leuten und den anderen Fahrern hier, bis zu dem berühmten Auto, welches ich hier fahren darf. Letztes Jahr konnte ich mit meinem Sohn, heuer mit meiner Frau diese wundervollen Straßen mit grandiosen Autos befahren – was gibt es denn Schöneres? Mein Bentley ist zwar knapp hundert Jahre alt, aber er fährt sich trotzdem ziemlich schnell und hart. Das macht dem Auto aber nichts aus!“

Wie schwer ist es, so einen Oldtimer schnell zu bewegen?

„Oh Gott ja und wie! Einen Porsche 962 zu fahren, war bei hohen Geschwindigkeiten eine ziemliche Aufgabe – wegen dem Ground Effect. Aber es hat funktioniert! Anders aber bei langsamen Kurven, oder beim Einparken, das war gravierend schwieriger. Wenn du aber ins Fahren kommst, geht es leicht. Der Bentley ist aber durchgehend schwer und hart zu fahren. Es gibt nichts Leichtes daran.“

Lassen Sie uns über das Reglement der Langstrecken-WM sprechen. Was halten Sie davon? Ist das Ganze zu teuer geworden, speziell die LMP1?

„Ich weiß wirklich nicht was sie machen sollen. Ich bin sehr froh, dass das nicht mein Problem ist. Schau dir die amerikanische IMSA-Serie an – ich finde, das ist die bessere Rennserie momentan. Besonders wenn aufs „Racing“ ankommt. Die Führungsfahrzeuge fahren hier wirklich noch Rennen! Ich denke aber, dass die WEC keine LMP1-Fahrzeuge haben sollte. Besonders nicht mit Budgets von hunderten von Millionen im Jahr und drei Herstellern mit nur zwei Autos. Wenn ein Privatteam vorhat, Rennen zu fahren, dann verhandelt es mit seinen Sponsoren um ein paar Millionen Dollar. Doch mit dem Budget wirst du in Le Mans nur Sechster oder Siebter. Das interessiert keinen Sponsor, dafür gibt dir doch niemand Geld! Und genau das ist das Problem und die Zuschauer wissen das.“

„Mit den Porsche 962 sind wir zwar „nur“ 380 km/h gefahren, doch fast jeder konnte sich so ein Fahrzeug kaufen. Mit 300.00 - 400.000 Dollar hatte man damals den schnellsten Prototypen. Ohne Porsche hätte es damals keine Weltmeisterschaft gegeben. Wir waren damals mit 16 bis 20 Autos in Le Mans am Start, alle mit verschiedenen Sponsoren, sowie Fahrern und unterschiedlichen Teams. Aber trotzdem war es noch interessant und die Fans haben es geliebt – es war einfach die größte Ära im Sportwagen-Bereich.“

„Die Fans wollen unterhalten werden! Aber nicht wenn die Budgets hunderte Millionen übersteigen. Sie müssen wieder zu einer allgemeineren Formel zurückfinden. Die Top-Fahrer würden auch LMP2-Autos fahren und damit hättest du das wirkliche Rennfahren wieder zurück. Es sollte aber trotzdem immer ein Hersteller dahinterstehen. Wenn die Leute an die Strecke kommen, denken sie sich: ‚Was zur Hölle ist LMP1? Ah, das ist der Porsche!‘ Bei LMP2 hast du Chassis und Motoren von anderen Herstellern, das hat wenig Anreiz für die Fans. Was auch noch raus muss, sind die Hybrid-Antriebe. Die Zuschauer interessieren sich nicht für Hybrid. Sie wollen ein Rennen sehen! Sie wollen schnelle Autos sehen, außergewöhnliche Beschleunigung und tolle Kurvenfahrten. LMP2-Autos haben einen tollen Sound, am besten war aber der RSR-Porsche. Genau das wollen die Fans auch hören! Nicht einen unterdrückten Furz, wenn ein Elektro-Auto vorbeifährt.“

Wären Sie mit Elektro-Autos Rennen gefahren? Selbst wenn Sie einen Vertrag gehabt hätten?

„Die Fahrer heute mit 25 Jahren fahren in diesen elektrischen Serien, weil sie Rennen fahren wollen. Aber das reflektiert nicht auf den Fahrer. Formel-E gibt den Piloten eine Serie, wo sie fahren können. Wenn du aber mit den Piloten redest, sagen sie dir, dass sie das hassen! Sie würden das zwar nie zugeben, weil sie sich nicht trauen. Das einzig Gute daran ist, dass es jungen Piloten eine Chance gibt sich zu beweisen. Aber man kann vom Rest der Welt nicht erwarten, dass sie darauf warten, elektrische Autos sehen zu wollen. Es wirkt einfach nicht schnell, wenn der Sound fehlt.“

2018_Bell 1
2018_Bell 2