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Audetto: „Früher war es viel aufregender“

Der ehemalige Rallye-Copilot und Ferrari-Teamchef plauderte bei der Ennstal-Classic über die Entwicklung von Rennwagen - damals und heute.

Michael Hintermayer & Fabian Bonora
Fotos: Peter Meierhofer


Daniele Audetto begann seine lange Motorsportkarriere 1966 als Rallye-Copilot. 1968 wechselte er ins Lancia-Werksteam als Copilot von Fahrern wie dem großen Sandro Munari und Luca di Montezemolo. Nach einem schweren Unfall wechselte er in das Teammanagement. Seine nächste Station war Ferrari, wo er Niki Laudas Teamchef war. Danach kehrte er in den Rallyesport zurück, als Chef aller Fiat-Motorsportaktivitäten. In den folgenden Jahren war er Manager eines Powerboat-Teams, Sponsorhunter in der Formel 1, Leiter der Lamborghini Rennmotoren-Abteilung in der Formel 1. Um hier alle Stationen seiner fast 50-jährigen Motorsportkarriere aufzuzählen reicht der Platz nicht aus. Bei der Ennstal-Classic fungiert er als Beifahrer von Helmut Neverla.

Wie lief die Entwicklung eines Rennwagens in Ihrer aktiven Zeit ab?

„Das ist natürlich eine ganz andere Geschichte als heutzutage. In meiner Zeit war es die Genialität eines einzelnen Mannes, wie zum Beispiel Mauro Forghieri. Damals hatte man auch noch keine ausgeklügelten Geräte, wie zum Beispiel Windkanäle. Wir hatten unsere Teststrecke Fiorano. Da haben wir Teile miteinander verglichen und auf die Stoppuhr geschaut. Wenn die Teile schneller waren, haben wir das nur auf der Uhr gesehen.“

„Heutzutage ist das mit der ganzen Technologie meiner Meinung nach ein bisschen zu viel. Du hast Simulatoren, Elektronik und unendlich viele Reglementierungen. Die Phantasie und die Ideen eines Konstrukteurs werden komplett eingeschränkt, weil das Reglement die Autos alle gleich aussehen lässt. Wenn man sich nur die Farben und Startnummern anschaut, fällt es schwer, die Autos zu unterscheiden. Würde man den Mercedes in Ferrari-Rot lackieren, wären fast keine Unterschiede zu erkennen. Wir hatten auch mit den Fahrern, den Konstrukteuren und Technikern ein anderes Verhältnis. Das Gefühl des Fahrers war viel wichtiger. Wie Niki Lauda immer gesagt hat: ‚Ich fahre mit meinem Hintern‘. Jetzt verwendest du zwar auch dein Gehirn, aber interpretierst nur Daten vom Simulator und so weiter.“

„Ich weiß nicht, ob es früher besser war. Weil der technologische Fortschritt natürlich nicht aufzuhalten ist. Aber eines kann ich sicher sagen: Früher war es viel aufregender! Auch wenn das jetzt nicht alle gut finden werden: Was den Sport früher eben aufregend gemacht hat, war die Gefahr. Die Gefahr, dass du beim Fahren dein Leben riskierst, hat eine gewisse Atmosphäre kreiert. Ich habe mir immer große Sorgen um die Fahrer gemacht, weil so viele Unfälle passiert sind. Jetzt ist alles extrem sicher.“

„Die Vorbereitung heutzutage ist eben mit Simulatoren, Windtunneln und Computern. Der Input eines einzelnen Mannes, eines Genies wie Mauro Forghieri, John Barnard oder Colin Chapman, das macht jetzt ein Team von eintausend Leuten. Das ist doch übertrieben. Ich denke trotzdem, dass die Show passt, es ist auch viel Geld im Spiel. In meiner Zeit wurde man in Formel 1 nicht reich, aber das ist vierzig Jahre her. Allerdings bin ich sehr froh, dass ich in dieser Zeit die Formel 1 erlebt habe und nicht heutzutage.“

Sie haben als Copilot vom Sandro Munari von angefangen. War es für deine weitere Karriere als Techniker und Manager wichtig zu wissen, wie ein Rennauto funktioniert und sich anfühlt?

„Wenn du Beifahrer bist, bereitest du dich vor wie auf einen Krieg. Weil du dich um alles kümmern musst – Zeitkontrollen, Servicepoints, Reifen wechseln und so weiter. Der Fahrer fährt nur, der Co-Pilot hat die Kontrolle über die ganze Situation. Es war viel schwieriger war, ein Rallye-Team zu managen, als das Formel-1-Team von Ferrari. Wenn ein Grand Prix gestartet ist, kannst du nicht mehr viel machen. Bei einer Rallye aber schon, da kannst du das Endergebnis noch maßgeblich beeinflussen. Beim Grand Prix wartest du einfach auf das Ende. Deswegen war es für mich eine sehr gute Basis Copilot gewesen zu sein.“

Geheimhaltung bei der Entwicklung von Rennautos ist heutzutage allgegenwärtig. War es in Ihrer Zeit auch ein großes Thema?

„Vielleicht sogar noch mehr als heute. Wenn du in unserer Zeit eine Lösung zu einem Problem hattest, wie zum Beispiel der Lufteinlass beim Ferrari 312 T, dann hat dich jeder kopiert. Aber eben nicht sofort. Deswegen wollten wir unsere Ideen und unser Wissen beschützen. Jetzt ist die Formel 1 mit Liberty Media auch für die Öffentlichkeit sehr zugänglich. Aber du wolltest damals schon nicht, dass die anderen sehen, was du gerade wieder entwickelt hast.“

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