Offizielle Fotoseite der Ennstal-Classic:  (© Ennstal Classic)
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Brabham: „Ich war eher an Fußball interessiert“

David Brabhams Weg in den Motorsport war eher ein Zufall, doch er führte ihn von der Formel 1 bis zum Le Mans-Sieg.

Michael Hintermayer & Fabian Bonora
Fotos: Ennstal-Classic/Peter Meierhofer


Wie gefällt Ihnen die Ennstal-Classic?

„Ich habe schon oft probiert, dabei zu sein, war aber immer verhindert. Deswegen freu ich mich umso mehr, dass es dieses Jahr terminlich geklappt hat. Es ist einfach beeindruckend. Wunderschöne Autos, atemberaubende Landschaft, großartige Straßen – es macht richtig Spaß!“

Mit welchem Auto sind Sie bei der Ennstal-Classic unterwegs?

„Ich habe mir ein Auto ausgeliehen, und zwar einen Chrysler 300 – also einen großen amerikanischen Straßenkreuzer, was es auf den kurvenreichen Bergstraßen sehr interessant macht. Ich glaube, meine Passagiere werden bald seekrank.“

Können Sie uns ein bisschen was über Brabham Automotive erzählen?

„Brabham Automotive wurde vor über zweieinhalb Jahren ins Leben gerufen. Entstanden ist das Ganze in Adelaide, Australien. Wir haben jetzt unser erstes Fahrzeug produziert, den Brabham BT62. Er heißt deshalb so, weil bis jetzt alle gebauten Brabhams – das waren insgesamt über 700 Fahrzeuge – das BT und eine Nummer im Namen hatten. Und das letzte Formel-1-Auto das entwickelt aber nicht gebaut wurde, war der BT61. Wir möchten die Geschichte und das Vermächtnis weiterführen. Brabham gibt es schon über 70 Jahre. Die Zukunft steht bei uns im Zeichen eines Hypersportwagens für die Rennstrecke mit 700 PS, aber nur 972 Kilogramm Gewicht. Zusätzlich erzeugt das Fahrzeug 1.200 Kilogramm Abtrieb – also ein sehr schnelles Auto. Es werden nur 70 Stück gebaut. Für die ersten 35 Autos werden spezielle Lackierungen und Startnummern entworfen, die jeweils einen Grand-Prix-Sieg von Brabham repräsentieren.“

Was ist ihr Ziel für die Ennstal-Classic? Nehmen Sie es als Rennfahrer sehr ernst, oder genießen Sie eher die Fahrt?

„Natürlich will ich mein Bestes geben, aber diese Art von Motorsport ist neu für mich. Deswegen sehe ich dieses Jahr als Lernjahr an, es ist ja noch mein erstes Mal. Ich muss mich erst mit meinem Beifahrer abstimmen und lernen was das Auto macht. Vor allem Zeit und Distanzen abzuschätzen muss man lernen. Das braucht Zeit und ich bin vordergründig hier um Spaß zu haben, aber gebe trotzdem mein Bestes – die Platzierung ist dabei nebensächlich.“

Sie sind selbst Rennfahrer mit einem sehr berühmten Namen. War dies ein Vor- oder eher Nachteil?

„Ich denke beides ist der Fall. Ich habe mich eigentlich nicht wirklich mit dem Rennfahren beschäftigt, bis ich mit der Schule fertig war. Mein Vater hat seine Karriere beendet als ich fünf Jahre alt war. Darum habe ich nicht viele Rennen gesehen. Ich war eher an Fußball interessiert. Bis ich meinen Bruder in Amerika besuchte, als er Indycar-Pilot war. Da habe ich das erste Mal wirklich ein Rennen und ein Go-Kart das erste Mal gesehen. Ich wusste nicht mal, dass Leute mit Go-Karts Rennen fahren – so weit weg war ich vom Motorsport. Da war ich 17 Jahre alt. Aber dann ist der Funke übergesprungen. Mein Vater war damals nicht besonders hilfreich. Ich habe mir mit meinem Nachbar ein Go-Kart gekauft und mit ihm Rennen gefahren. Als das Ganze dann wirklich ernst wurde, hat sich auch mein Vater dafür interessiert – vorher dachte er nur das wäre eine Eintagsfliege. Sieben Jahre nachdem ich meine Karriere gestartet habe, stand ich am Formel-1-Grid. Das haben wir beide so nicht erwartet.

Aber man lebt als Sohn eines berühmten Rennfahrers immer unter einer Legende des Sports. Der Name Brabham verweist immer auf jemanden, der Dinge getan hat, die vor ihm keiner gemacht hat. Seine eigene Identität zu kreieren, sich in seiner eigenen Haut wohl zu fühlen und Fortschritte zu machen, war am Anfang eine große Herausforderung. Aber wenn man älter und reifer wird und Erfolge für einen selber feiert, ist das kein Problem mehr. Anfangs war es manchmal ein Vorteil, aber umso öfter ein großer Nachteil.“

Ist es ein Vorteil, wenn man einen Sportwagen entwickelt, dass man selbst Rennfahrer war?

„Ich war in so viele Projekte vom Anfangsstadium an involviert, dass ich dort sehr viel Erfahrung sammeln konnte. Wir werden auch ein Fahrer-Entwicklungsprogramm für unsere Kunden haben. Ich habe früher das britische MSA-Young-Driver-Entwicklungsprogramm geleitet. Deswegen habe ich viel Erfahrung, wie ich Fahrern helfen kann, mehr aus sich herauszuholen und bessere Zeiten zu fahren.“

Sie haben Le Mans zu einer Zeit gewonnen, als wirklich grandiose Rennwagen unterwegs waren. Was halten Sie von den aktuellen LMP1-Fahrzeugen?

„Die LMP1-Kategorie läuft zyklisch ab. Plötzlich sind viele Hersteller da und die Autos sind beeindruckend schnell. Jeder gibt viel Geld aus, aber gleich schnell wachen alle auf und bemerken, dass das so nicht mehr machbar ist. Dann kollabiert das Ganze. Das habe ich nun schon mehrmals miterlebt. Sie ändern jetzt aber die Regeln und wie es aussieht wird das Hypercar die Basis der neuen Top-Klasse werden. Wenn man sich den Markt anschaut und bedenkt was wir gerade entwickeln, richtet sich das sogar etwas zu unseren Gunsten aus. Aber es muss noch einiges getan und verstanden werden, bevor wir uns entscheiden können.“

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