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Niki Lauda verstorben: Ein Leben zwischen Sternstunden und Katastrophen

Er war wohl der bekannteste Österreicher. Am 22. Februar feierte er seinen 70. Geburtstag. In einem E-Mail informierte die Familie Lauda über sein Ableben: «In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser geliebter Niki am Montag den 20.05.2019, im Kreise seiner Familie friedlich entschlafen ist. Seine einzigartigen Erfolge als Sportler und Unternehmer sind und bleiben unvergesslich. Sein unermüdlicher Tatendrang, seine Geradlinigkeit und sein Mut bleiben Vorbild und Maßstab für uns alle. Abseits der Öffentlichkeit war er ein liebevoller und fürsorglicher Ehemann, Vater und Großvater. Er wird uns fehlen».

Im Sommer 2018 hatte Niki am Wiener AKH eine Lungentransplantation, infolgeder er sich nicht mehr erholt hat. Sein Leben zwischen Sternstunden und Katastrophen erweckte globales Interesse. Mit logischem Denken und einem übernatürlichen Willen, der jedes Risiko nach intuitiv-emotionslosen «Kalkulationstabellen» dosierte, wurde aus dem Jungen ohne besondere Schulbildung ein dreifacher Automobil-Weltmeister und ein erfolgreicher Flugunternehmer. Mit Krediten finanzierte er sich den Einstieg über die Formel 2 in die Formel 1, der 1971 in Österreich stattfand. Mit einer Mitgift, die er nicht hatte, bluffte er sich in das BRM-Team. Als Enzo Ferrari den Monaco Grand-Prix 1973 live am Bildschirm erlebte, befahl er: «Diesen Lauda müssen wir haben.»

1974 war Niki bei Ferrari, wurde zur Schlüsselfigur bei der sportlichen Sanierung des Teams, war noch nicht ganz reif für den WM-Titel, lernte, beobachtete, lenkte, koordinierte, motivierte und säte. 1975 war Erntezeit, er wurde Weltmeister. Nach fünf Siegen 1976 dann am 1. August dieser Crash am Nürburgring, dem eine böse Vorahnung drei Tage vor dem Rennen voranging - bei Kilometer 10,5, an der späteren Unfallstelle, hatte Niki angehalten und die Gefährlichkeit des Rings angeprangert. Auf der Intensivstation kämpfte er vier Tage nach dem Feuerunfall ums Überleben. Von Ferrari bereits abgeschrieben, kehrte er in Monza zurück. Mit verbranntem Gesicht, gezeichnet fürs Leben. Er überwand die Angst und wurde Vierter.

Als er im Regen-Chaos in Japan, (Zitat «Leben ist wichtiger als der WM-Titel») vorzeitig das Handtuch warf, überließ er James Hunt den WM-Titel um einen einzigen Punkt. 1977 wurde er auf Ferrari zum zweiten Mal Weltmeister, wechselte 1978 zu Brabham und zog sich am 28.9.1979 mitten im Training zum Montreal Grand-Prix zurück. Er begann, die Lauda-Air aufzubauen. Der Kampf gegen ein staatliches Flug-Monopol «war nur aus der Position des Stärkeren zu gewinnen» sagte er, daher sein Comeback 1982 bei McLaren. Nach einem dritten WM-Titel 1984 beendete er am 3. November 1985 in Adelaide seine Karriere.

Der Absturz einer Lauda-Air-Boeing 1991 über Thailand wurde zum Kreuzweg seines Lebens. Niki Lauda war ein unglaublicher Mensch, ein Perfektionist, geprägt von einem Schwarz-Weiss-Denken, als Flugzeug-Pilot herausragend. 1997 spendete ihm sein Bruder Florian eine Niere. 2005 bekam er von seiner Frau Birgit eine zweite Niere. Als Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Rennstalls war er mitverantwortlich für die einmaligen Erfolge die das Team einfuhr. Um ihn trauern seine Kinder Mathias, Christoph, Lukas, Max und Mia sowie seine Gattin Birgit.

Fotos: (c) Ennstal-Classic

Niki Lauda Grand-Prix
Niki Lauda mit Sohn
Niki Lauda mit Helmut Zwickl