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Maria Teresa de Filippis: Fangio war ihr Schutzengel

Sie war die erste Frau der Grand Prix Geschichte, die erfolgreich an Formel 1 Rennen teilnahm. Sie kam immer wieder gerne zur Ennstal-Classic, wo  sie als Ikone gefeiert wurde. Am 9. Jänner 2016 ist sie 89jährig in Bergamo verstorben.

Eine Frau aus Neapel: in der Jugend feurig, furchtlos, stolz, selbstsicher, ein ganzes Formel 1 Feld war hinter ihr her. Im hohen Alter: grauhaarig, braungebrannt, stolz, geliebt, verehrt, gefeiert, eine Diva, für Maserati war sie die Madonna. In den letzten Jahren ihres Lebens war sie schwer krank.
Sie wurde am 6. November 1926 in Neapel geboren, aber ihre Geburt wurde erst am 11. November offiziell registriert. Sie stammte aus reichem Haus, der Vater hatte ganze Landstriche elektrifiziert. Man bewohnte einen Palazzo in Marigliano zwischen Caserta und Benevento und besaß zwei Landgüter. Maria verbrachte ihre Jugend auf den Rücken von Pferden, meist ritt sie ohne Sattel. Die Erziehung im Sacre Cour war streng militärisch, das hat sie zeitlebens geprägt.
1948 fuhr sie ihr erstes Rennen, das sie in ihrer Klasse mit einem Fiat-Topolino gewann. Bei ihren ersten Rennen traf sie noch mit dem größten italienischen Rennfahrer aller Zeiten zusammen: mit Tazio Nuvolari.
Zwischen 1949 und 1953 holte sie sich viele Siege in einem Fiat-Giannini, Urania-BMW und Giaur-Giannini Sportwagen. 1954 wurde sie Zweite im Straßenrennen Giro di Sicilia. 1955 wurden ihr von Maserati Werkswagen zur Verfügung gestellt. Mit einem A6GCS 2000 belegte sie Rang neun in der Targa Florio und Rang drei in den 10 Stunden von Messina.  Beim Bergrennen Catania-Etna fuhr sie Tagesbestzeit.
1956 sah man Maria Teresa wieder auf Maserati bei den 1000 km von Buenos Aires, wo sie auf Rang sieben liegend durch einen Unfall ausschied. Beim 1000 km Rennen von Monza schied sie in ihrer Klasse führend aus.
1958 passierte Folgendes: Die Firma Maserati kämpfte ums Überleben. Fünf Leute, darunter Fangio und Maria retteten den italienischen Traditions-Rennstall in dem sie Geld einzahlten. Maria beteiligte sich mit 9 Millionen Lire, Maserati konnte für das nächste halbe Jahr überleben. Mit dieser Beteiligung sicherte sich Maria einen 250F Formel 1 Rennwagen, immerhin ein Auto, mit dem Fangio im Jahr davor Weltmeister wurde.
Am 30. März 1958 feierte sie im Grand Prix von Syrakus, auf einer besonders gefährlichen Straßenrennstrecke ihr Formel 1 Debüt. Luigi Musso, als Ferrari-Werkspilot der neue Star am Rennfahrer-Himmel, nahm sie ins Schlepptau um ihr die Linie und Bremspunkte zu zeigen. Nach ein paar Runden wollte Maria ihn überholen...
Mit Musso war sie liiert und man wollte sogar heiraten, aber Musso war schon verheiratet und sein Bestreben war, dass seine Ehe vom Vatikan geschieden wird, was nicht geschah. Mit Maria hatte er bei den Rennen, wo man gegeneinander antrat, eine Wette laufen: wer den anderen besiegte, musste ihm eine goldene Uhr schenken...
Maria wurde in Syrakus Fünfte. Ihr zweiter Grand Prix war Monaco. Dort geschah es, dass Stirling Moss sie fragte, ob er ihren Maserati probieren dürfe. Maria willigte ein, doch Moss sprang schnell wieder aus dem Cockpit: das Gaspedal befand sich in der Mitte, links vom Bremspedal, diese Anordnung war er nicht gewöhnt. Obwohl Maria auf Anhieb in Monaco 1:48.8 fuhr, zum Vergleich: Fangio fuhr 1955 auf Mercedes 1:42.4, konnte sie sich nicht qualifizieren, weil der Maserati am Eingehen war.
Im Grand Prix von Europa, in Spa-Francorchamps, wurde sie Zehntere.
Am 6. Juli verunglückte Luigi Musso in Reims tödlich.
Musso hatte in Italien mit Geschäftspartnern eine Firma, die amerikanische Autos importierte. Vor dem Rennen erreichte ihn ein Telegramm seiner Partner: «Du musst gewinnen, sonst sind wir pleite...»
Der Tod von Musso hat Maria gewaltig zugesetzt. Trotzdem startete sie am 13. Juli in Villa Real, schied aber aus.
Im Grand Prix von Portugal hatte sie Motorschaden, in Monza schied sie 12 Runden vor Schluss, auf Rang fünf liegend, aus.
Man muss sich vor Augen halten, dass die Formel 1 zu ihrer Zeit ein Spiel auf Leben und Tod war. Ein ganzes Ferrari-Team verunglückte in diesen Jahren tödlich: Eugenio Castellotti 1957 in Modena, De Portago bei der Mille Miglia. 1958 war überhaupt ein schwarzes Jahr. Nach Musso verunglückte mit Peter Collins am Nürburgring der nächste Ferrari-Pilot tödlich.
Die Rennstrecken waren völlig ungesichert, am Rande drohten Gräben und Telegrafenmasten, die Autos waren Brandbomben ohne Knautschzonen, Kohlefaser war noch nicht erfunden.
Maria war für ihre Risikobereitschaft bekannt, der große Fangio, der sich mit einem vierten Platz im Frankreich-Grand Prix, in dem Musso starb, vom Rennsport zurückzog, wurde ihr Schutzengel, immer wieder ermahnte er sie: "Du riskierst zu viel. Das Gehirn muss über das Herz siegen!"
1959 konnte sie sich in Monaco mit dem Spezial-Porsche von Jean Behra nicht qualifizieren. Behra hatte sich bei Colotti einen Porsche RSK als Formel 2-Rennwagen umbauen lassen. Selbst Hans Herrmann konnte in Monaco keine schnelleren Runden mit dem Behra-Porsche drehen als Maria. Sie allerdings konnte in der letzten Trainingsrunde eine Zeit fahren, die ihr einen Startplatz im Rennen garantiert hätte, doch der Veranstalter strich ihr diese Runde: das Training war schon beendet hieß es. Maria weinte fürchterlich und wurde nie den Verdacht los, dass man den Ferrari-Piloten Cliff Allison hineinschieben wollte.
Als Jean Behra am 1. August 1959 auf der Avus in einem Sportwagenrennen tödlich verunglückte, beendete sie ihre Karriere.
Dass der gebürtige Wiener Theo Huschek diese von allen umschwärmte Frau für sich gewinnen konnte, war kurios.
Huschek erinnert sich: "Ich lernte Maria 1958 in Istanbul persönlich kennen. Ich war Chemiker in Wien und war mit einem Studenten-Austausch in die Türkei gekommen. Im nächsten Winter war ich in St. Anton Schifahren und plötzlich stand Maria in der Tür. Ich machte gerade die Schilehrer-Prüfung um mir den Winter zu finanzieren."
Im Juli 1960 heiratete sie den um zehn Jahre jüngeren Theo in Wien. Sie bekamen eine Tochter, Carola.  Als Vizepräsidentin des "Club International des Anciens Pilotes de Grand Prix F1" wurde sie das Gesicht dieses Clubs der Renn-Legenden, der am 25. August 1962 in Villars sur Ollon gegründet wurde.  Theo führt bis heute die Geschäfte des Clubs, er ist gewissermaßen die Radnabe um die sich alles dreht.
Als Maria 2005 mit einem Maserati 250F in Gröbming den Grand Prix der Ennstal-Classic fuhr, erntete sie stürmischen Beifall, die Leute reden heute noch davon, wie sie mit dem Boliden durch den Ort stürmte. 2010 saß sie in Monza ein letztes Mal in ihrem geliebten Formel 1 Maserati, für einen Werbe-Spot der UBS.
"Sie fuhr wie der Teufel" erzählt Theo Huschek "und die Film-Crew konnte sie nicht stoppen, sie fuhr und fuhr und fuhr...!"

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