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Ferrari 750 Monza: Wieso sind Ferrari rot?

Text: Helmut Zwickl
Fotos: Copyright ALLES AUTO/Dani Reinhard


Cockpit-Story: Einer der interessantesten, teuersten, elektrisierendsten und schönsten Rennsportwagen, die je bei der Ennstal-Classic am Start waren, macht den Zauber des Mythos Ferrari begreifbar. Unser Freund aus England, Richard Frankel brachte den Wagen für Sir Stirling Moss ins Ennstal.

Bevor ich ins Cockpit gleite, fällt mir der Piper-Prozess ein. Was ist, wenn der herrliche Dreiliter-Vierzylindermotor eingeht, während ich im Führerstand agiere? Wer zahlt? Jener Journalist, der David Pipers Porsche 917 testete, und mit einem Motorschaden liegen blieb, wurde von Piper auf Zahlung des Schadens verklagt. Der Journalist musste zahlen.
Ich stellte mir vor: wenn das mir passiert, kann ich mein Haus verkaufen...
Ein Sommertag mit dem 750 Monza. Du sitzt tief, das Lenkrad steht eher flach, die kleine Windschutzscheibe spielt Fliegenfänger. Bisweilen weht Heugeruch von den Wiesen ins Cockpit, doch die Ausdünstung aus Öl, Benzin und heißem Blech gibt dem Heu in der Nase wenig Chancen. Das Rot der langen Motorhaube bohrt sich in den blauen Himmel.
«Wieso sind Ferrari rot?», fragte ich Luca di Montezemolo einst, und seine Antwort kam wie in Stein gemeißelt: «Weil rot auch die Farbe des Blutes ist, und Blut bedeutet Leben.»
Ich halte den Schalthebel, damit kein Gang rausspringt - das soll ja beim Piper-917 der
Grund gewesen sein, dass der Motor überdrehte und der Journalist verurteilt wurde...
Was macht das Fahren mit diesem Auto so einmalig?
Wieso knien wir heute vor «the pig?» wie Stirling Moss dieses Auto nannte, weil es als hinterhältig galt und etlichen Fahrern das Leben kostete.
Es ist das Eintauchen in eine andere Zeit. Wer einen Monza gefahren hat, kann den Stand der heutigen Motoren-und Chassis-Technik noch besser bewerten. Es ist sicher auch der Millionenwert, der einem vor Ehrfurcht Lähmungserscheinungen beschert.
Wenn man das Holzlenkrad hält, aus dem Motorraum eine Hitzewelle rauskommt, die blattgefederte De-Dion Hinterachse ihr Eigenleben treibt, das Getriebe nach Zwischenkuppeln und Zwischengas schreit, erinnere ich mich an jene Fahrer, die mit einem Monza in den 50er Jahren Rennen fuhren – auf Pisten ohne Sturzräume, ungesicherten, feldwegähnlichen Straßen, mit Bäumen und Gräben am Streckenrand.
«Mit den Rennwagen dieser Zeit musste man ein paar Prozent unter dem Limit fahren, dann hat man überlebt», sagte einer, der es wissen musste – Stirling Moss.
Für Ferrari war der Monza mit dem 3 Liter, 260 PS starken Vierzylindermotor ein gutes Geschäft. Von Anfang 1954 bis Oktober 1955 wurden insgesamt 31 Exemplare gebaut, und auch wenn keine zwei Exemplare – wie in Maranello üblich – gleich waren, so hat Ferrari nie ernsthaft versucht, durch irgendwelche Eingriffe das Fahrverhalten zu verbessern.
Etwa das extreme Untersteuern zu reduzieren. Und was den Motor betrifft: er ist eine reine Ausgeburt für die Rennen der 50er Jahre, «State of Art» im Geburtsjahr, heute eine antike Reliquie. Er rüttelt, vibriert, und das alles sehr laut. Bei 6000 Touren warnt ein roter Strich am Drehzahlmesser. Ich setze mir bei 5000 die Stopp-Tafel, wohl wissend, dass ich dadurch das Beste versäume. Aber mein Haus musste ich nicht verkaufen...

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