Die Stars auf der Ennstal Classic:  (© Ennstal-Classic)

Das Lotus Comeback

Man muss korrekt sein: Der Name Lotus kehrt in die Formel 1 zurück, nicht mehr, nicht weniger. Die Autos sind zwar in British Racing Green lackiert, doch das Geld kommt aus Malaysia, daher fährt das Team, mit den Piloten Jarno Trulli und Heikki Kovalainen mit malaysischer Lizenz.

Lotus: was für ein Name!

1958: Die Bastlerbude debütiert in der Formel 1. Zwischen 1958 und dem Ende des Team Lotus, 1994 in Australien, liegt eine sagenhafte Bilanz: 489 Rennen, 7 Konstrukteurs-, 6 Fahrertitel, 73 Siege, 102 Pole Positionen, 65 schnellste Runden.

Der Mythos Lotus entstand – wie bei Ferrari – durch Sternstunden und Katastrophen. Von Lotus-Gründer Colin Chapman läßt sich sagen: Keine Einzelperson hat das Wettrüsten der Formel 1 mit so vielen genialen Einfällen befruchtet, wie der Brite. Dank seiner Durchschlagskraft und seines riskanten Management-Stils, an der Grenze der Legalität und ohne Rücksicht auf Menschen, entstanden bei Lotus der Schalenrahmen, genannt Monocoque, es wurde mit Allradantrieb und Turbinenautos experimentiert, es entstand der «ground effect» und die «aktive Radaufhängung», und der Lotus 72 war derart fortschrittlich, dass dieses Konzept von 1970 an insgesamt vier Jahre lang siegfähig war.

Jochen Rindt sagte, als er für Lotus unterschrieb: «Dort kann ich Weltmeister werden oder sterben». Ihm widerfuhr beides, denn der Preis, den Lotus für Vorsprung durch Technik zahlte, war hoch.

Tatsache ist: Piloten wie Alan Stacey, Ricardo Rodriguez, Jim Clark, Mike Spence und Jochen Rindt verloren im Lotus-Cockpit ihr Leben und Stirling Moss hatte 1962 in Goodwood in einem Lotus 18/21 jenen schweren Crash, der seine Karriere beendete.

Die Formel 1 war zu Chapmans Zeiten noch ein ungezügeltes Abenteuer. In einem Regelwerk, das riesige Freiräume ließ, konnten sich geniale Bastler ala Chapman bis zur totalen Verantwortungslosigkeit entfalten. Mike Gascoyne, der in den meisten Formel 1-Teams seine Spuren hinterlassen hat, wird es als Technischer Direktor von Lotus Neu schwer haben, einen Vorsprung durch Technik herauszuarbeiten, wie ihn Chapman immer wieder kreierte. Andererseits, siehe Brawn: in einer zurück-zu-den-Wurzeln gestutzten Formel I wird vieles wieder möglich.

Nachdem Chapman im Dezember 1982 an Herzversagen starb, ging die große Zeit nicht sofort, aber langsam doch zu Ende: Peter Warr, Gerard Ducarouge, Ayrton Senna, John Player, Camel, Honda, Frank Dernie, Peter Collins, Peter Wright kamen und gingen bis 1994 Insolvenz angemeldet wurde.

David Hunt, der Bruder von James Hunt, sicherte sich die Namensrechte von Team Lotus. Mit asiatischen Petrol-Dollars und neuen Marketing-Konzepten soll der Mythos neu belebt werden.

Chapman und seine durch ihn im Himmel weilende Rennfahrer-Gilde werden sich das von oben herab mit Interesse anschauen...