Die Stars auf der Ennstal Classic:  (© Ennstal-Classic)

Historischer Monaco-Grand Prix: Rückkehr ins Mittelalter

Während im Grimaldi-Center bei einer PM-Auktion ein Ferrari 625 TRC Rennsportwagen von 1957 für 4.5 Millionen Euro einen Käufer fand, während in Barcelona das Formel 1 Weekend anlief, kehrte Monaco ins Mittelalter der Grand Prix Geschichte zurück. Der Historische Monaco Grand Prix, der alle zwei Jahre über die Bühne geht, ist etwas Besonderes.  
Ich war 1963 mit Jochen Rindt und Curd Barry zum ersten Mal in Monaco, die beiden starteten im Formel Junior Grand Prix. Unser Fahrerlager war eine wüste G`stetten am Meer, dort wo heute Hotelpaläste stehen, und wir fälschten die Armbinden so clever, dass wir Sonntags auch beim Formel 1 Grand Prix reinkamen. Die Sperren waren damals nicht so wasserdicht wie heute, Bernie Ecclestone war noch Gebrauchtwagenhändler. Unser Hotel von damals ist längst geschlossen, die Fassade steht noch. Ich hockte damals mit einem Fotoapparat hinter einem Steinsockel – den es immer noch gibt – in der alten Tabakkurve, in der heute eine Tribüne steht, und die Formel 1  Rennwagen mit Clark, Hill & Co. drifteten einen Meter vor mir durch die Tabakkurve. Irgendwann wurde ich von der Polizei entdeckt und «abtransportiert», aber man ließ den «Selbstmörder» laufen...
Die Tip-Top Bar an der Casino-Abfahrt gibt es immer noch. In den 60er und 70er Jahren trafen sich dort die Mechaniker und Fahrer zu einer mitternächtlichen Stehparty mit Alkoholexzessen auf der Straße. Einmal setzten sie ein eisernes Bierfass in Marsch, auf der abschüssigen Rennstrecke wurde es immer schneller und schneller, bis es in der heutigen Fairmont-Haarnadel-Kurve, wie eine Bombe in die parkenden Autos einschlug und mehrere schwer beschädigte.
Alkoholisierte Mechaniker, die Unfug treiben, gibt es heute nicht mehr, ein Formel 1-Team würde sie sofort rausschmeißen. Und die Piloten verkriechen sich in ihre Hotels, keiner würde sich mehr vor der Tip Top-Bar sehen lassen.
Sagenhafte Autos liefern sich im Historischen Monaco-Grand Prix gnadenlose Rennen. Maserati 8CM gegen Bugatti 59 und  37,  Alfa 8C Monza gegen ERA. Dr. Klaus Lehr, der die Ennstal-Classic mit einem Lagonda 12-Zylinder mitfährt, war mit einem faszinierenden Talbot Lago T26C Grand Prix Rennwagen am Start, er wird diesen Boliden nach Gröbming bringen und ihn beim Chopard-Grand Prix zünden.
Die Grand Prixwagen der 50er, 60er und 70er Jahre waren alle wieder da: der Lotus 18, mit dem Stirling Moss 1961 den Monaco-Grand Prix gewann, in einem seiner größten Rennen die Ferrari besiegen konnte, erstrahlt in neuem, mitternachtsblauen Glanz. Der Sechsrad-Tyrrell und Niki Laudas Ferrari 312T aus dem Jahre 1975, der Lous 49 mit dem Jim Clark 1968 Zandvoort gewann, ohne dass sich vor dem Rennen ein Rad dieses Autos gedreht hat, wurden zu neuem Leben erweckt. Connaught, Cooper Bristol, die BRM P25, die zu ihrer Zeit als gefährliche Zeitbomben galten, die niedlichen Cooper-Climax und Front-Motor Lotus liefen laut und frisch und im Cockpit agieren beherzte Piloten.
Dieter Quester hatte sich mit seinem BMW 328 nach Monaco gewagt, er musste in einem Rennen gegen eine Horde stärkere Jaguar-C Typen antreten und wurde Zehnter.
Wenn man sich die Formel 1 Autos der 60er und 70er Jahre ansieht, mit ihren filigranen Blechkasten-Chassis, darunter wahre Bastelkonstruktionen wie Ensign, Theodore, Surtees, Amon, aber auch die March, Tyrrell und Lotus, muß man sich mit dem heutigen Wissen über Carbon-Technik und passiver Sicherheit sagen: die Piloten von damals waren unglaubliche Fatalisten.
Der Aufwand ist groß, um die alten Formel 1 Autos am Laufen zu halten, allein die Cosworth-Motoren werden um Stückpreise um 60.000 Euro gehandelt. Die Fahrer, meist gesetzte Herren, die sich beim Einsteigen schon schwer tun und beim Aussteigen noch schwerer, geben aber kräftig Gas.
Wenn die alten Grand Prix Wagen abgestellt werden, ist das Mittelalter zu Ende. Und Monaco wartet auf die neue Formel 1.
Die Hotelpreise werden dann nochmals angehoben und die Absperrungen noch dichter. Bereits beim Historischen Grand Prix hatten die Yachten im Hafen die besten Plätze bezogen.