Helmut Zwickl

Kolumne Zündkerzen
Helmut Zwickl

Helmut Zwickl berichtete von über 560 Formel 1 Grand Prix.

Er fuhr mit Jochen Rindt nach Monaco, mit Fangio um den Nürburgring und flog mit Niki Lauda im Privat-Jet nach Longbeach.

Er schrieb 16 Bücher über Motorsport und gründete 1993 zusammen mit Michael Glöckner die Ennstal-Classic.




Planai-Classic: Der Winter führte Regie

Was macht die Planai-Classic so herausfordernd, so sportlich, so einzgartig?

Da ist erstens das Wetter. Diesmal zeigte der Winter alle seine Facetten, seine Tücken, seine Härten. Schnee, viel Schnee, Tauwetter, Schneematsch, Wasser, eisige Bergetappen, und dann verschärfte auch Nebel die Bedingungen.
Da ist zweitens die Abfolge von SP`s, auf denen der 40er Schnitt, der auf dem Papier fast lachhaft scheint, nur schwer zu halten  ist. Mit anderen Worten: Da muss man voll fahren.
Und drittens: Dachsteinstraße, Flugplatz Niederöblarn, Trabrennbahn und Planaistraße sind
eine Arena, wie man sie nirgendwo finden wird können.
Das Duell um den Sieg zog sich bis zur Schlussprüfung in das Planai-Stadion. Jedes Team konnte eine Geschichte erzählen: von einem Postler, der unterwegs war und das ausgerechnet in einer SP, von einem Tourist, der Kampflinie fuhr, und vor allem: von den
entscheidenden Fehler der Navigatoren, die sich verzählten oder die Stoppuhr falsch bedienten. Gerade die als beste Beifahrer geltenden Co-Piloten leisteten sich entscheidende Aussetzer...
Das Wetter: permanenter Schneefall machte die Dachstein-Mautstraße zur ersten großen Hürde. Ohne Schneeketten war man verloren. Das war der Beginn eines echten Abenteuers. Günter Schwarzbauer/Erich Hemmelmayr auf Datsun 240Z verfehlten die 10 Minuten Sollzeit nur um 15 Hundertstel. Matzelberger/Rettenbacher als Zweite hatte 21/100 Abweichung.
Am zweiten Tag konnte man sich auf dem Flugplatz Niederöblarn austoben. Zuerst im 10 Zentimenter tiefen Schneematsch, der aber im Laufe der SP abrasiert wurde.  Das Vater-Sohn Team Alexander und Florian Deopito, die mit einem Vorkriegs-Lagonda im letzten Jahr schon einen sensationellen Gesamtsieg in der Ennstal-Classic feierten, meldeten in Niederöblarn erstmals wieder Podiums-Ansprüche an. Und Gerhard Witzany mit seiner rennfahrenden Tochter Astrid in ihren Ford Mustang – nicht unbedingt ein Winterauto –
waren am Flugplatz die Zweitbesten.
In der Folge spitzte sich das Duell ums Podium zwischen den Deopitos, Kunz/Klackl im Mini Cooper-S, und Weckerle /Schlager im Porsche 911 zu.
Aber jeder in den Top-Ten war im Blech der frühen Jahre ein Meister: z.B. die Ingrid Corsmann mit Thomas Voglar als Co im Käfer, die am Drei-Königstag die SP`s auf der Trabrennbahn gewannen.
Bei herrlichem Föhnwetter startete das Feld auf einer optimal präparierten Planaistraße, die unheimlich viel Grip bot, zu den drei Bergläufen. Astrid Witzyna lotste ihren Herrn Papa zum Sieg auf der Planai vor Hannes und Brigitte Frech im Volvo PV544S und Weckerle/Schlager.
Letztlich zog sich das Duell um den Sieg bis zur Schlußprüfung im Planai-Stadion hin, wo Alexander Deopito den Mercedes am Start abwürgte, aber selbst Platz 19 reichte, um vor Kunz/Klackl Gesamtsieger zu werden. Weckerle/Schlager wurden Dritte und der Otmar machte sich Vorwürfe über seinen Fehler, der vielleicht den Sieg gekostet habe. Das
Gleiche galt auch für Kunz/Klackl: aber das ist der Stress und Druck, den die Planai-Classic aufbaut.
Großartig wieder der Solo fahrende Christian Baier in seiner Lea Francis aus dem Jahre 1927, die den Eindruck erweckt, als wäre sie nur noch von alten Klebern zusammengehalten. Wenn er groß und mächtig zu seiner Kiste aus der Stummfilmzeit schritt, sah er in seiner Montur wie eine Figur aus Star Wars aus. Er belegte Rang 27 und wurde vor dem prächtigen Holländischen Ehepaar Roest auf einem Wolsley Hornet Epoche 1 Sieger. Frau Tineke Roest hatte sich zum Geburtstag diesen Start gewünscht !
Pius Weckerle hatte Rudi Roubinek seinen Super-Käfer geborgt. Doch noch  vor dem Start
wurde ein Oel-Leitung Anschluß defekt, nicht einmal Robert Huber konnte das reparieren, weil ein Spezial-Teil für diesen speziellen VW-Motor fehlte.
Bei der Siegerehrung feierte man Rauno Aaltonens 80.Geburtstag. Er sagte in seiner Dankesrede einen bemerkenswerten Satz: "Wir haben nur einen Gegner, das  die Kurve, die Physik der Kurve..."