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Ennstal-Classic Finaltag, der Livebericht: Streit am Stoder, Finale beim GP

Livebericht der Ennstal-Classic 2025, Tag 3, aus dem Cockpit der Startnummer 159, einem Alfa Romeo Berlina 2000 von 1971. Disclaimer: Wir sind in dieser Kombination (Leo Birke / Franz J. Sauer) schon mehrmals angetreten, derzeit liegen wir auf Platz 103. Wir sind also keine Konkurrenz für irgendjemanden. Dafür fand die Ennstal-Classic-Berichterstattung noch nie so „embedded“ statt wie heuer. Unsere Startzeit heute 09h15.

Heute war es dann so weit: Der erste handfeste Streit im Cockpit. Und das kam so. Wir haben uns nach allen Regeln der Kunst vorbereitet, Schnitt ausgerechnet, Tabelle geholt (leider nicht ganz genau, Schnitt war 43, Tabelle 45) und ich habe die Stoppuhr gut geölt im Anschlag gehabt um meinem Driver alle Auskunft zu geben, die er braucht um in der richtigen Zeit den Berg zu nehmen.

Es geht also los, Start an der Zielline, Tripmaster auf 0. Bei soundsoviel Sekunden muss man soundso viele Meter zurückgelegt haben. So weit zur Theorie. Bloß – wenn die Uhr hintennach ist, ist man dann zu langsam oder zu schnell? So gängeln wir dahin, bei der 500 Meter Marke sind wir hoffnungslos hinterdrein – oder viel zu schnell? Wir diskutieren, meine Angaben sind – zugegeben – widersprüchlich. Dann: Einigung auf wir sind zu langsam. Leo gibt Gas.

Die erste Lichtschranke fliegt herbei. Ich zähle die Sekunden bis zur Sollzeit. Ich soll runterzählen, brüllt Leo. Verwirrung, Runter, woher? Wieviel? Wielange. Wir fahren zwar durch, aber viel zu spät.

Jetzt: Zusammenreissen. Ich nehme die Schnittabelle ins Visier. Sage nun richtig an. Schneller. Uns fehlen noch 700 Meter. 200 Meter. 70 Meter. Bis zur Minute 5h20 könnte es eine Punktlandung werden. Wird es auch. Bloß haben wir die Rechnung ohne die falsche Tabelle gemacht. Wir hätten 20 Sekunden später durch die Schranke gehört.

Leo ist angfressen. Heast, wie soll i mit Dir gscheid … ich plärre zurück: Dann buch Dir halt den Walter Röhrl, wennst gewinnen willst. Die Fetzen fliegen, die Schnittabelle auch. Roadbook brauchen wir ja heute keines. Lautes Geschmolle im Cockpit. „Wieviel Kurven noch?“ „Was weiß ich. 350 Meter.“ Dann kommt die letzte Kurve, ich beginne zu zählen. Wieder in die verkehrte Richtung …

Ankunft. Beide stieben wir aus dem Auto, die Türen fliegen. Dann kommt die Wertung. Auf der letzten Etappe, ohne Tabelle und ohne Uhr haben uns bloß 21 Hundertstel gefehlt …

Der Herr Leo ist richtig böse, am Stoderzinken ist es trotzdem schön. Und bis zum GP sind wir wieder versöhnt.

Damit zur Wertung auf den Stoder. Florian und Dieter Böhmdorfer, ja, der Ex-Minister und auch längst Ennstal-Routinier, haben auf ihrem Mercedes-Benz 350 SLC nur 18 Strafsekunden eingefahren. Das reicht für Platz 1. Auf Platz 2 der Ennstal-Gewinner früherer Jahre, Friedrich Radinger mit Beifahrer Thomas Wagner auf Mini 1275 GT von 1971. Platz 3: Hubertus Haselberger und Anna Luger auf einem Vorkriegs-BMW 327/28 von 1937. Die Zweitplatzierten des Vortages Schöggl/Tripolt liegen auf Platz 9, die führenden Alfistisisters auf Platz 44.

Was sie allerdings nicht die Gesamtführung vor dem GP kostet. Die ersten Drei bleiben gleich wie am Vortag, Voglar/Schöggl/Geyer. Dahinter leichte Veränderungen, Schramke/Umfahrer liegen nun auf Platz 6. Und Nell/Nell, die Führenden des ersten Halbtages, sind auch wieder in den Top Ten zu finden.

Es bleibt spannend. Und bis zum GP haben wir uns auch wieder versöhnt.

Tatsächlich gibt es einen genauen Einsatzplan, als wir zum GP in Gröbming starten. Ich stoppe und zähle, Leo fährt und achtet auf den Tripmaster. Natürlich rede ich wieder Blödsinn, aber nur einmal. Insgesamt legen wir diesmal brauchbar vor, Platz 59 ist im Lichte unseres (vor allem: meines) Untalents eine feine Sache.

Dagegen ist der 49. Platz, den die Alfistisisters beim GP bringen, leider eine bedeutende Angelegenheit, die den sympathischen Vorjahres-Siegerinnen den heurigen Titelgewinn kostet. Verdient ziehen die Routinieres Peter Schöggl und Werner Tripolt in allerletzter Sekunde an ihnen vorbei, Sie beweisen Nerven, belegen beim GP den 2. Platz und beweisen damit jene Konstanz, die Margarita und Magdalena Voglar, den unbestrittenen Königinnen des Schnittfahrens, heuer letztlich fehlte.

Und wo ist Ihr Berichterstatter-Team in der Endwertung gelandet? Wir dürfen stolz verkünden: Platz 100! Eine schöne runde Zahl … wie sehen uns hören uns nächstes Jahr im Ennstal!

Und hier gehts zum Video vom Samstag: