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Ennstal-Classic LIVEBERICHT Tag 2: Der Marathon

Livebericht der Ennstal-Classic 2025, Tag 2, aus dem Cockpit der Startnummer 159, einem Alfa Romeo Berlina 2000 von 1971. Disclaimer: Wir sind in dieser Kombination (Leo Birke / Franz J. Sauer) schon mehrmals angetreten, derzeit liegen wir auf Ploatz 101. Wir sind also keine Konkurrenz für irgendjemanden. Dafür fand die Ennstal-Classic-Berichterstattung noch nie so „embedded“ statt wie heuer. Unsere Startzeit 8h49.

Von Franz J. Sauer

Wenn das gestern also nur die Vorschau war, der Prolog, wie wird dann erst der Marathon zu meinem Rücken, meinem Genick und für mein generelles Wohlbefinden sein? Ich werde Bericht erstatten. Jetzt fahren wir mal nach Gröbming zur Startrampe.

Puh …. 78 Kilometer lang alle Hände voll zu tun, daher der späte erste Einstieg heute! Vier Sonderprüfungen, allesamt anspruchsvoll (für den Leo, ich hab Handy geschaut …) und bei einer haben wir sicher einen 1000er aufgerissen. Dafür war es mal wieder landschaftlich wunderbar, die Gegend um Öblarn und Aigen bis Liezen in großen, konzentrischen Kreisen zu umrunden und zu genießen. Es ist unbeschreiblich, wie schön das alles ist. Und ja, es ist auch wunderbar im Pulk solch toller, großartiger Schmuckstücke automobiler Historie dahinzucruisen. Man denkt sich immer wieder, frei zitiert nach Herrn Karl: „Andere haben das nicht!“

Roadbooklesen ist übrigens Übungssache, komme ich drauf. Und den Tripmaster richtig zu führen auch. Wer nämlich zu viel schlangelt, schlendert und gängelt vergeudet dabei allzu viel Weg, was sich dann bei den Wegpunkten in Ungenauigkeit äußert. Beides, Roadbook lesen und Tripmaster fahren funktioniert heute viel, viel besser als gestern.

Die erste Sonderprüfung gilt ja unter Esoterikern immer als sowas wie ein Wetterleuchten für den Tag. Wir erlauben uns, derlei zu bezweifeln. Dennoch: Mit dem Mille Miglia-Teilnehmer Gian-Pietro Rossetti und seinem Beifahrerr Marc Schamaun gewinnt ein Vorkriegs-Auto, konkret ein Talbot Darracq Super Sport von 1932 die erste Sonderprüfung. Porsche Österreich Geschäftsleiter Helmut Eggert landet mit Porsche Holding-CEO Hans Peter Schützinger auf Platz 7, Matthias Walkner, Dakar-Sieger, und bei der Ennstal erstmals mit Co Thomas Haider und einem Mini Cooper S von 1972 unterwegs, macht den sensationellen 15. Platz, zwei Sonderprüfungen später sogar einen Nuller (Respekt!). Die Tagessiegerinnen des ersten Tages, die Alfistisisters Voglar, belegen den 21. Platz, Alles Auto-Chef Falchetto den 25. Bliebe es nur den ganzen Tag so … (wo wir sind? auf Platz 111, Sie können sich das Suchen sparen!).

Start-Gsturl in Gröbming

Manche Autos sind so breit, da muss der Weitwinkel her.

Und bei Kilometer 75, hochkonzentriert inmitten der Sonderprüfung 26, gesellt sich zum „Knack“ in der Lenksäule, zum „Ächz“ der Kupplung und zum „Röhr“ des Doppelnockenwellenmotors der Berlina ein „Klink“ von unterhalb meines Sitzes, der daraufhin ansatzlos federnd nach hinten schwingt. Der erste Defekt! Der gleich nach der SP von der kundigen Hand des Herrn Birke repariert wird. Ein Schrauberl war rausgegangen. Ob das mit der Käsesemmel zusammenhing, die ich kurz davor verdrückt hatte?

Herr Leopold repariert, nach 10 Minuten wieder alles fit. Und Maurerdekolletée hat er auch keins. Korrekt!

Nach einer turbulenten Etappe Lunz-Steyr mit dem Ausfall einer Sonderprüfung fand auf dem Stadtplatz zu Steyr ein triumphaler Empfang des Trosses statt, wie jedes Jahr eines der Highligts der Ennstal-Classic. Zeit für eine Zwischenwertung: Es riecht noch immer nach Titelverteidigung, Margarita und Magdalena Voglar liegen in Führung, ebenso wie gestern noch vor Georg Geyer und Thomas Frik, auf Platz drei vorgerückt sind Peter Schöggl und Werner Tripolt auf Alfa Romeo 1750 Spider Veloce von 1970. Auf Platz 5 und somit wieder voll im Geschehen sind die Ennstal-Routiniers Helmut Schramke und Peter Umfahrer. Wir haben uns um fünf Plätze auf Rang 105 verschlechtert.

Es wird also Zeit für die Aufholjagd, was uns motiviert zur Schnitttabelle greifen lässt. Wenn aber exakt beim Einstieg in die SP mit 40er Schnitt ein Radfahrer vor Dir fährt und eine Kaskade an PKWs entgegenkommt – ja, dann ist es schon höhere Macht, die Dich verlieren lässt. Ein Glück für uns wird die SP 35 nicht gewertet, die haben wir nämlich auch kräftig versemmelt. Wir melden uns wieder aus Gmunden.

Riesenstimmung in Steyr. Wie jedes Jahr.

Steyr-Gmunden. Welch Trip, welch Reise. Über die Berge, durchs Geläuf, ewige Höfe, tolle Panoramen. Und dazwischen ein paar Sonderprüfungen, die wir gar nicht mehr sooo ernst nehmen, zu viel Rückstand ist aufgerissen. Viele Motorräder begleiten uns, säumen den Weg, winken, überhaupt: die Begeisterung am Nachmittag ist sensationell. Praktisch vor jedem Haus steht ein Tischchen, darauf Schilcher, Prosecco oder sonst was gutes, die Nachbarschaft fröhlich versammelt, allen gehts gut. Jedes Auto wird bejubelt.

Dann Gmunden. Zuerst Stau, dann die Einfahrt in den Toscanapark. Parken auf der Wiese. Wann hat man das zuletzt gedurft? Eine Stärkung, ein guter Kaffee, bereit machen für – unserer – höchstpersönlichen Highlights des Tages: Der Koppenpass und Niederöblarn.

Anreise nach und Abreise aus Gmunden, aus dem Auto raus geknipst. Und noch ein paar Highlights (mehr davon gibt es HIER)

Das Seengebiet generell ist natürlich ein Mega-Highlight. Zuerst zwischen den Seen durch rüber zum Attersee. Entlang am Ufer. Dann durchs Geläuf nach Hallstatt. Dazwischen eingestreut ein paar Bergwertungen, durchaus herausfordernd für ältere Fahrzeuge, aber machbar. Erlebnisse über Erlebnisse. Und ein paar heiße Feger, die ihre Eisen martern, weil die Kids am Wegesrand immer um Motorengeheul betteln. Naja, einmal im Jahr – soll sein.

Koppenpass. Welch Erlebnis. Die Bergwelt als Kontrast zu den saftigen Seen. Und Kuhgitter für den kleinen Drigt zwischendurch.

Schließlich: rüber nach Bad Aussee. Die erste Vollansicht des Grimming von hinten, dann von vorne. Die Eindrücke überrollen einen. Der Wagen schnurrt, endlich hat es eine Aussentemperatur, die ihm gefällt und zusagt. Mach dich bereit, Berlina. Für den Fluplatz Niederöblarn.

Vorher aber noch ein HIghlight am Wegesrand. Ein Ennstal-Fan seit vielen Jahren, wie wir wissen. Aber diesmal hat er erstmals eingewilligt, auch fotografiert zu werden, höchst uneitel am Wegesrand bei der Stempelkontrolle in Pürgg …

Die Berge, der Grimming, die Stempelkontrolle in Pürgg. Und ein hochprominenter Zaungast: OSCAR-Preisträger Klaus Maria Brandauer.

Niederöblarn, Einfahrt auf den Flugplatz. Racing-Atmosphäre wie dazumals, Strohballen, Lichtschranken. Und eine unserer Lieblingsdisziplinen. Weil der Leo ein äußerst gleichmäßiger Fahrer ist. Und ich sowohl Stoppuhren bedienen, als mir Wegpunkte merken kann (Schnitttabellen sind ja nicht so meins). Also raus, Referenz-Runde. Zweite Runde. Waypoints, zufälligerweise bei 7, 178, 37 und 47 Sekunden. Punktlandung, trotz eines Mitbewerbers, der vor uns dahingängelte. Und schließlich: PLATZ 5! Eine feine Belohnung nach einem harten Tag … und hier ein Symbolfoto von einem anderen Fahrzeug, aber dafür einem sehr schönen:

Die letzten Meter nach Gröbming schweben wir auf Wolken, wir wissen, dass wir gut waren, sehr gut sogar. ein guter Grund, die letzte Sonderprüfung in Moosheim ordentlich zu versemmeln (Platz 62). Die dafür ein Kollege der schreibenden Zunft – warum auch immer – recht überlegen gewinnt. Gratulation an Enrico Falchetto. Zurück ins Zelt – das Tagesendergebnis folgt in Kürze. Obwohl von der Führungssituation nicht viel neues zu berichten sein wird.

Wie schon gesagt – die Überraschungen sind endenwollend. Wie schon am Vortag riecht es nach Titelverteidigung: Margarita und Magdalena Voglar vor Peter Schöggl mit Werner Tripolt (Alfa 1750 Spider Veloce) und Georg Geyer mit Thomas Frik (Porsche 356 Speedster von 1958). Keine wesentliche Veränderung somit zur Mittagswertung, aber dennoch noch viel offen für das Grande Finale am Samstag, das sehr, sehr zeitig (7h früh!) mit der legendären Wertung auf den Stoderzinken beginnt und in ein wahrhaft tolles Rahmenprogramm rund um den PORSCHE DESIGN Grand Prix von Gröbming mündet.

Bis morgen also!

Und hier gehts zum Video des heutigen Tages: