Die Stars auf der Ennstal Classic:  (© Ennstal-Classic)
Helmut Zwickl

Kolumne Zündkerzen
Helmut Zwickl

Helmut Zwickl berichtete von über 560 Formel 1 Grand Prix.

Er fuhr mit Jochen Rindt nach Monaco, mit Fangio um den Nürburgring und flog mit Niki Lauda im Privat-Jet nach Longbeach.

Er schrieb 16 Bücher über Motorsport und gründete 1993 zusammen mit Michael Glöckner die Ennstal-Classic.




2019: Porsche feiert 50 Jahre 917!

50 Jahre Porsche

Wir feiern 2019 den Porsche 917, ein Auto das in der Geschichte des Autorennsports einen Logenplatz einnimmt. Kaum ein anderes Rennauto erntete soviel Bewunderung und Ruhm wie der 917. Bei der Ennstal-Classic 2019 wird er zu sehen und zu hören sein.  

Ein Heer von Journalisten schlug damals in Genf unruhige Wellen. Die Atmosphäre auf dem Genfer Automobil-Salon spitzte sich auf eine Denkmalenthüllung zu. Nur: Denkmäler sind steinerne Würdigungen um Verdienste, was damals am 12.Mäz 1969 enthüllt wurde, musste sich erst verdient machen: Porsches «weißer Riese». Riese deshalb, weil er mit 4.5 Liter Hubraum und 580 PS alle anderen Porsche überragte. Für Porsche war der 917 gewissermaßen ein «Mondschuss»: für die Sportwagen-Homologation mussten 25 Exemplare vorgezeigt werden, der Verkaufspreis von 140.000 DM war allein vom Materialaufwand mit 220.000 DM pro Auto ein Defizitgeschäft.

Die Entwicklung bis zum ersten Sieg zählte zu den größten Abenteuern des Autorennsports. Zunächst wurde der Porsche 917 auf Grund von aerodynamischen Problemen von den Fahrern als «unfahrbar» eingestuft. Aber am Österreichring schenkten Jo Siffert/Kurt Ahrens dem 917 den ersten Sieg  in einem Langstreckenrennen.

1970 wurde das angepeilte Ziel erreicht: Porsche gewann mit Hans Herrmann/Dick Attwood die 24 Stunden von Le Mans. Die Zusammenarbeit mit dem John Wyer-Team führte zu einer Langheck- und Kurzheck Version, mit der die aerodynamischen Probleme endlich gelöst wurden.

1971 wiederholten Helmut Marko/van Lennep diesen Le Mans Sieg mit einem  4.9 Liter, 600 PS starken 917 der einen Magnesium-Rahmen hatte. Der Siegerschnitt von 222 km/h war ein neuer Streckenrekord. Die Langheckversion lief in Le Mans fast 400 km/h Spitze!

Als Ende 1971 die 5 Liter-Autos für die Marken-WM der Sportwagen verboten wurden, hat man den 917 in der amerikanischen Can-Am Serie eingesetzt, die 1972 von George Follmer auf einem 917/10TC gewonnen wurde.
1973 hieß der Can-Am Sieger Mark Donohue im stärksten aller 917: der 845 kg schwere 5.4 Liter leistete 1100 PS und die 11,3 Sekunden auf Tempo 300 waren ein unfassbarer Wert.


Helmut Zwickl

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Helmut Zwickl

Helmut Zwickl berichtete von über 560 Formel 1 Grand Prix.

Er fuhr mit Jochen Rindt nach Monaco, mit Fangio um den Nürburgring und flog mit Niki Lauda im Privat-Jet nach Longbeach.

Er schrieb 16 Bücher über Motorsport und gründete 1993 zusammen mit Michael Glöckner die Ennstal-Classic.




Der neue Donnerstag

2018_Postalm

Der neue Donnerstag der Ennstal-Classic hatte es in sich. Erstmals waren wir am Salzburgring zu Gast.

Georg Silbermayer, der den Ring für seine KTM-X-Bow Piloten gemietet hatte, räumte uns für die Ennstal einen Slot ein, damit wir die SP, die jahrelang auf dem Red Bull Ring ablief, austragen konnten. Auf dem Salzburgring waren wir willkommen.  Alex Rainer, der oberste Boss erschien persönlich und freute sich über das Blech der frühen Tage.

Viele Zuschauer strömten ins riesige Fahrerlager um die Oldies hautnah zu bestaunen. In dem von KTM bereit gestellten Zelt konnten die Piloten beim Boxenstopp ihren Appetit stillen, bevor sie sich in die Kurvenorgie des Nachmittags stürzten. Die Fahrer waren begeistert. Nicht nur vom Neuland Salzburgring, sondern auch über die An- und Rückfahrt über die Postalm, die bei herrlichsten Sommerwetter das Fahren in seiner schönsten Form ermöglichte.

Die neue Route hatte es in sich. Zwei nicht angekündigte Baustellen nervten Teilnehmer und Veranstalter, jene bei der Abfahrt vom Koppenpass führte zu Wartezeiten bis zu 15 Minuten, was zu geänderten Fahrzeiten führte, die wiederum im Etappenort Bad Mitterndorf für einen Stau sorgten.

Übers Handy wurden die Fahrer informiert und mit Zwischenergebnissen beliefert. Ich denke dabei an die Anfangsjahre der Ennstal-Classic, wo wir in Apotheken oder Hotels per Fax versuchen mussten unsere Zahlen los zu werden.

Beim Ferrari Abend in Schladming ließ man den Donnerstag in bester Stimmung ausklingen und die Erlebnisse sorgten für unendlich viel Gesprächsstoff. Oldtimer-Fahren in solchen Gegenden, bei solchem Wetter: das ist der Stoff aus dem die Träume sind!


Helmut Zwickl

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Helmut Zwickl

Helmut Zwickl berichtete von über 560 Formel 1 Grand Prix.

Er fuhr mit Jochen Rindt nach Monaco, mit Fangio um den Nürburgring und flog mit Niki Lauda im Privat-Jet nach Longbeach.

Er schrieb 16 Bücher über Motorsport und gründete 1993 zusammen mit Michael Glöckner die Ennstal-Classic.




Dr. Gunther Philipp wäre am 8. Juni 100 geworden!

Meine erste Begegnung hatte ich 1959 beim Fahrerlehrgang auf dem Reifenprüfgelände in Kottingbrunn. Ich war mit dem VW-Käfer meines Vaters mit dabei, Dr. Gunther Philipp war mit seinem weißen Mercedes 300SL Roadster der große Star. Als er umringt von Autogramm-Jägern im Cockpit saß, bin ich zu ihm hin, und stellte mich vor: «Herr Philipp, ich bin der Helmut Zwickl, Sie kennen meinen Vater, er ist der Zwickl vom Komikerduo Wondra & Zwickl. Ich hätte eine Bitte: «würden Sie mich eine Runde im 300SL mitnehmen?» Seine Antwort: «Hupf eine Bua!»

Der 300SL war natürlich eine andere Liga als mein Käfer und ich war vor Begeisterung völlig außer mir. Seit damals war der Gunther mein Idol und ich war bei den Rennen immer an seiner Seite, aber das Schreiben über ihn war nicht immer ganz leicht, denn er pflegte oft genug unter einem «Pseudonym» zu fahren, um mit seiner Filmfirma nicht vertragsbrüchig zu werden. Aber für so einen Mann konnte kein Pseudonym der Welt zu einer Tarnkappe werden. Montag stand meist in den Zeitungen: «Der unter dem Pseudonym «Giulio Pavesi» startende Filmkomiker Gunther Philipp wurde Sieger der großen GT-Klasse...» In den 60er Jahren war er mehr als ein bunter Farbtupfen in der Rennsportszene. Er war einer der letzten Herrenfahrer, deren Aussterben sich schon abzeichnete, als das große Geld und das Profitum eine neue Rennsport-Rasse erzeugte.

Gunther Philipp war schon vor dem Krieg Rekordhalter im Brustschwimmen, 1960 gründete er zusammen mit Curd Barry und Rolf Markl die «Ecurie Vienne», er wurde dreimal Automobilstaatsmeister: 1961 auf Mercedes 300 SL, 1962 auf Ferrari 250GT und 1963 auf Ferrari GTO. Den GTO kaufte er von Stirling Moss und er hat sich zeitlebens geärgert, dass er dieses Auto um «lächerliche 70.000 Mark verschenkt hat». Als sich Moss und Gunther bei der Ennstal-Classic trafen, kamen beide zu dem Schluss: «Wir hätten ihn nicht verkaufen sollen...» Dabei haben sie damals noch gar nicht gewusst, dass ihre Chassisnummer 3505 bei einer Auktion im Jahre 2012 für 35 Millionen Dollar den Besitzer wechseln wird!

Dr. Philipp wurde 1918 im rumänischen Transsilvanien geboren. Er promovierte zum Doktor der Medizin, war Landarzt, vier Jahre Arzt an der Wiener Universitätsklinik für Neurologie und Psychiatrie, war Kabarettist, Theaterstar und Drehbuchautor. In rund 150 Filmen erlangte er in der Nachkriegszeit – heute würde man sagen – als «Comedian» –  eine ungeheure Popularität. Als Jochen Rindt starb, wurde er Präsentator der TV-Motorsendung «Motorama». Dr. Philipp, der in Wahrheit Gunther Plachetta hieß, war ein Universal-Genie mit einem Verhältnis zu Autos, «das stets ein sehr erotisches war». Als er bei einer der ersten Ennstal-Classic die Siegerehrung moderierte, war das für Michael Glöckner und mich eine Sternstunde. Dr. Gunther Philipp starb am 2.Oktober 2003, am 8. Juni wäre er 100 Jahre alt geworden.